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April bis Juni 2021
Die Tragödie von Tidewater Island zieht sich im auslaufenden April noch wie Eis über die jetzt wieder grünen Wiesen von Mourning Hill. Sicher, der Schock sitzt weiterhin tief, aber dafür fängt alles an zu blühen und die eine oder andere Person kann sich trotz einem verlorenen oder traumatisierten Familienmitglied auf kurze Hosen und die ausgepackte Sonnenbrille freuen, auch wenn es dafür selbst im Juni noch etwas zu kühl ist. Das Leben geht weiter und für die meisten steht in den kommenden Monaten auch einfach wichtigeres an: Klausuren zum Semesterabschluss, letzte Schularbeiten vor den Sommerferien und für viele Schüler:innen in der Stadt auch das endgültige Finale ihrer Schullaufbahn. Spätestens Mitte Juni kann aber auch hier ein Haken gemacht werden und dem Feiern in lauen Frühsommernächsten steht höchstens noch die Frage im Weg, wie schnell man eine weitere stadtweite Tragödie vergessen kann.
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![]() Seit jeher liefert die von schroffen Felsen, flachen Stränden und Dünen beherrschte Küste Oregons Stoff für Geschichten, die eins gemein haben: Sie warnen vor den sich unter tosenden Wellen verbergenden Tücken des Pazifischen Ozeans, denen bereits zahlreiche Schiffe mitsamt ihrer Besatzung zum Opfer gefallen sind. Eins davon war die unter spanischer Flagge segelnde Galeone La Trinidad. Beladen mit erlesenen Gewürzen, feinsten Stoffen, Elfenbein und – so munkeln einige noch heute – einer nicht unerheblichen Menge Gold, stach das gewaltige Schiff in Manila in See, um die Handelsroute nach Mexiko weiter auszubauen. Angekommen ist die kostbare Fracht dort jedoch nie, denn die Reise der La Trinidad fand 1829 vor der Küste Oregons ein jähes Ende. Die Gerüchte, dass die spanische Galeone an den zerklüfteten Felsen von Tidewater Island zerschellt sein könnte, halten sich hartnäckig. Sogar über die Grenzen von Mourning Hill hinaus. Betritt man am späten Abend die Kneipe, die der Hauptkundschaft entsprechend den Namen The Fishermen trägt, sprechen von Wind und Wetter gezeichnete Männer und Frauen hinter vorgehaltener Hand über Besatzungsmitglieder, die sich und alles, was sie tragen konnten, vor den Fluten gerettet und hier ein neues Leben begonnen haben. Manche gehen sogar so weit und behaupten, dass irgendwo entlang der Küste oder vielleicht sogar in der nur bei Ebbe zugänglichen Grotte unter Tidewater Island eine bis zum Rand mit Gold gefüllte Truhe verborgen ist, die auch schon den ein oder anderen Schatzsucher auf den Plan gerufen hat. Gefunden wurden bislang allerdings nur längst aufgegebene Schmugglerverstecke, weswegen die meisten Bewohner der Stadt Tidewater Island heute in erster Linie mit dem Unglück in Verbindung bringen, das sich im Juni 2018 ereignet hat. Das Gerede über verlorenes Gold ist für die meisten bloß Seemannsgarn und damit auf einer Stufe mit nächtlichen Sirenengesängen, die unaufmerksame Seeleute in den Tod locken. |
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